Letztes Feedback

Meta





 

Die Regenbogenzwerge gehen ins Kino

Rotbart, Blaubart, Gelbbart, Grünbart und Lilabart wollten ins Kino. Keinbart sollte das Haus hüten.

Ja, bei den Regenbogenzwergen war es Standard,  dass Leute ohne Bart für nicht ganz voll genommen werden, Bürger zweiter Klasse sind. Ganz ähnlich wie es bei den Menschen war und oft auch noch in der Gegenwart gelebt wird. Menschen ohne Bart, also Frauen, sind einfach weniger Wert und haben weniger zu sagen. Dies mag nicht jeder für Richtig empfinden, aber es ist einfach so. Nun zurück zur Geschichte.

Häuserhüten ist bei Regenbogenzwergen gänzlich anders zu praktizieren als bei uns Großstädtern und Landbewohnern. Denn während unsere Häuser ruhig und statisch vor sich hin stehen, die Bewohner oder deren Bewacher höchstens Sorge haben, das Haus könnte einstürzen, oder üble Gesellen könnten versucht sein, Gegenstände zu entwenden, die ihnen nicht gehören, so haben Regenbogenzwergenhäuser immer wieder mal den Drang, sich zu erheben und den Standort zu wechseln. Das Hüten bezieht sich hier also auf die tatsächliche Tätigkeit, wie zum Beispiel Schafe hüten. Nun kann man bei Schafen spezielle Hütehunde einsetzen, die diese zusammentreiben und in die gewünschte Richtung lenken, aber Regenbogenzwergenhäuser lassen sich von solchen Zwergenhunden, egal ob zum Hüten ausgebildet oder nicht, natürlich in keinster Weise beeindrucken.

Ein Riesenproblem war auch, dass sich bei einem wandernden Haus keine Strom- oder  Wasserleitungen installieren ließen, denn das Haus könnte sich natürlich losreißen und Chaos, ja sogar Lebensbedrohliche Zustände hinterlassen. Strom und Wasser vertragen sich zusammen nicht besonders gut und bei abgerissenen Kabeln und Rohren könnte sich das Wasser mit dem Strom im wahrsten Sinne des Wortes kurzschließen und jeden, der sich nähert, töten. Deswegen lebten die Regenbogenzwerge noch wie zu Urururgroßmutters Zeiten ohne Wasseranschluss im Haus und auch ohne Strom. Ein Brunnen stand im Garten. Seit kurzem überlegten sie, sich eine Photovoltaikanlage und eine Solarstromanlage zu installieren, so hätten sie sogar Warmwasser zur Verfügung, könnten heizen und kochen, ohne einen Ofen anwerfen und vorbereiten und befüllen zu müssen, aber noch war es nicht so weit. Auch ihre Toilette befand sich außerhalb des Hauses, hier waren sie immerhin schon auf ein Dixieklo umgestiegen um die lästige und unangenehme Grubenentleerung zu vermeiden. Ja, auch Regenbogenzwerge neigen zu Bequemlichkeit und modernen Techniken, wenn es sich einrichten lässt.

 

Dieses Haus hatte sich seit Jahrzehnten nicht mehr bewegt und so war aus Sicht von Rotbart, Blaubart, Gelbbart, Grünbart und Lilabart nicht ausgerechnet heute damit zu rechnen, dass sich dieser Zustand ändert. Auch Keinbart war nicht wirklich traurig, wieder einmal nur Zeit mit sich selbst verbringen zu können, ohne irgendwelchen Fremdeinmischungen und Kritiken über sein Tun und Lassen. Das Haus war zwar ausreichend, aber nicht besonders groß, so dass es wirkliche Privatsphäre, bei sechs Personen in diesen Räumen, kaum gab.

 

Das Rumpeln und Schaukeln begann nach ungefähr einer Stunde. Keinbart sprang auf, konnte er sich doch noch erinnern, was dieses Geräusch bedeutete und wie sie zuletzt alle miteinander darum gekämpft hatten, das Haus zu beruhigen und zu überreden am angestammten Platz zu bleiben. Nun war er ganz alleine und sprang hektisch hin und her. Was sollte er tun? Wie reagieren? Was KONNTE er tun?

Nun, das Haus konnte sich bewegen also musste es doch auch einen Hauch von Verstand haben, an den er appellieren konnte. Er redete hektisch auf das Haus ein, diskutierte, suchte Schein- und tatsächliche Argumente um das Haus wieder zur Ruhe zu bringen. Alles vergebens. Verzweifelt schrie und zeterte er, flehte um Hilfe und Verständnis. Er rannte aus dem Haus und wieder zurück, stemmte sich gegen den Vordereingang und die Rückseite, aber das Haus bebte weiter. Zum Glück brauchen Regenbogenzwergenhäuser Stunden um sich zu erheben, besonders, wenn sie jahrzehntelang ruhten.

 

In seiner Ausweglosigkeit versprach er schnellstens die Photovoltaikanlage und die Solaranlage und auch noch eine Satellitenschüssel und einen ganz eigenen Riesenfernseher nur speziell für das Haus und alles gleich morgen bestellt und zusätzlich noch einen mobilen Internetanschluss, damit sich das haus nie mehr langweilen musste und es auch nie wieder den Kohle- oder Ölgeruch vom Heizen ertragen musste und ganzganzsicher so schnell wie möglich, ja sofort, nachdem seine Brüder wieder da wären und ganzgleich was seine Brüder sagen und wie sie maulen würden. Garantiert.

Das Haus ließ ein zufriedenes Rumpeln und Brummen hören und gab Ruhe. Nun haben Regenbogenzwerge keine Geldsorgen, findet sich doch, wie allüberall bekannt ist, an jedem Regenbogenende ein Goldschatz. Wenn Ihr also an Euren Regenbogenenden keinen Schatz findet, so bedeutet dies, die Zwerge waren schneller. Die bisher nicht vorgenommenen Umbauten lagen als nicht am Geld- oder Goldmangel, sondern daran, dass die Zwerge, wie viele ältere Wesen, vor Neuem und Unbekanntem zurückschreckten. Nun mussten sie zu dem Versprechen von Keinbart stehen, ob ihnen dies nun recht war oder nicht.

Ihr Haus bekam alles versprochene und vor Allem über das Satellitenfernsehen und den Internetanschluss freute es sich am Meisten, denn für ein Haus, gar für ein wanderndes, war es noch recht jung und allem Neuen grundsätzlich aufgeschlossen.

Wie es im Kino war, fragt ihr, werte Mitleser nun noch, denn darum handelt schließlich die Überschrift dieser Geschichte. Ach, wie es so im Kino ist, wisst ihr doch sicherlich alle selbst und darüber brauche ich wirklich nichts zu schreiben. Oder?

2 Kommentare 31.5.14 12:27, kommentieren

Werbung


Die Regenbogenzwerge

Rotbart, Blaubart, Gelbbart, Grünbart, Lilabart und Keinbart langweilten sich.

 Immer nur Regenbögen malen und aufrichten war auf Dauer wirklich etwas eintönig und trostlos, auch wenn sie Freude in die Herzen der Regenbogenschauer brachten. Also verfielen sie auf die Idee, den Regenbogen doch einfach mal zu verflechten. Alle Farben sollten weiterhin abgegrenzt bleiben und doch zu etwas neuem, bunteren verbunden sein. Gesagt, getan.

  Die Arbeit des Flechtens erforderte engste Zusammenarbeit und sie stießen sich öfter die Köpfe, krabbelten ober- und unterhalb durcheinander und vergaßen Raum und Zeit. Und ihre Bärte. Bei dieser ganzen Rumkriecherei verfilzten die Bärte dermaßen, dass es unmöglich war, diese wieder zu entwirren. Sie hingen untrennbar aneinander fest.

 "Schneiden wir sie doch einfach ab", schlug Keinbart vor. "Ja, klar, das würde Dir so passen, dass wir so bartlos wie Du rumrennen. Außerdem verlieren wir dann unsere Zauberkräfte und können keine Regenbogen mehr gestalten. Egal ob geflochten oder sonstwie!" antwortete der Rest der Runde fast unisono. So saßen sie weiter zusammen, debattierten und stritten ohne Ende und fanden doch zu keinem Ergebnis.

Keinbart begann sie zu waschen und füttern, nur die Zahnpflege litt und deswegen wurden die Zwerge zusehends schweigsamer und wortkarger. Mundgeruch ansich ist ja schon etwas äußerst unangenehmes, aber aus nächster Nähe, praktisch Nase an Mundhöhle schier unerträglich.

Auch das Essen gestaltete sich schwierig, die einfachste Lösung waren Eintöpfe über den Zwergenköpfen entleert und jeder mampfte so schnell und so viel er konnte. Gelbbart war eindeutig im Vorteil. Er schluckte und schlang am meisten vom Essen hinunter und, erst langsam, dann immer schneller, wuchs er.

Die ganze Zeit konnten die Zwerge nicht arbeiten und so gab es auch keine Regenbögen. Die Welt war traurig und Gelbbart wurde größer und größer. Irgendwann baumelten die restlichen Zwerge Blaubart, Rotbart, Grünbart und Lilabart hilflos an seiner Brust. Nur Keinbart versorgte sie weiter mit Essen und konnte sich frei bewegen. Gelbbart war inzwischen ein Zwergenriese und wurde immer zorniger ob der eigenen Unbeweglichkeit und dem Gebaumel an seiner Brust.

Eines Tages übermannte ihn der Zorn und mit lautem Gebrüll und einem Mundgeruch, der die anderen Zwerge in Ohnmacht fallen ließ riss er sich jeden einzelnen seiner Freunde und Kameraden vom Leib. Der Schmerz des Trennens der verfilzten Bärte machte ihn noch hasserfüllter und wütender und schließlich taumelte er wild um sich schlagend in eine Schlucht neben ihrem Arbeitsplatz.

 Die befreiten Zwerge waren glücklich, endlich nicht mehr so inniglich vereint zu sein, denn Nähe und Kameradschaft sind etwas schönes, aber eine gewisse Unabhängigkeit gehört eben immer auch dazu.

Ihre Zauberkräfte behielten die Zwerge, denn es stand geschrieben, dass geschnittene Bärte die Möglichkeit des Regenbogenzauberns nahm, aber nirgends war was über gerupfte Bärte zu finden. Gelbbart setzten sie in seiner Schlucht auf strenge Diät und so schrumpfte er wieder. Aus Rachsucht verlängerten sie die Diät so lange, bis Gelbbart etwas kleiner als der Rest seiner Freunde war, sollte seine Fresssucht doch bestraft werden und sein ungebührliches Verhalten, als er mächtiger war als sie, genauso.

 Schließlich warfen sie ihm ein Seil in die Schlucht und begannen die Regenbögen zu malen und aufzurichten, wie all die Jahrhunderte zuvor. Von Experimenten hatten sie wohl bis Heute die Nase voll, denn nirgends wurde je von einem geflochtenem oder kariertem Regenbogen berichtet.

27.5.14 11:44, kommentieren