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Die Regenbogenzwerge

Rotbart, Blaubart, Gelbbart, Grünbart, Lilabart und Keinbart langweilten sich.

 Immer nur Regenbögen malen und aufrichten war auf Dauer wirklich etwas eintönig und trostlos, auch wenn sie Freude in die Herzen der Regenbogenschauer brachten. Also verfielen sie auf die Idee, den Regenbogen doch einfach mal zu verflechten. Alle Farben sollten weiterhin abgegrenzt bleiben und doch zu etwas neuem, bunteren verbunden sein. Gesagt, getan.

  Die Arbeit des Flechtens erforderte engste Zusammenarbeit und sie stießen sich öfter die Köpfe, krabbelten ober- und unterhalb durcheinander und vergaßen Raum und Zeit. Und ihre Bärte. Bei dieser ganzen Rumkriecherei verfilzten die Bärte dermaßen, dass es unmöglich war, diese wieder zu entwirren. Sie hingen untrennbar aneinander fest.

 "Schneiden wir sie doch einfach ab", schlug Keinbart vor. "Ja, klar, das würde Dir so passen, dass wir so bartlos wie Du rumrennen. Außerdem verlieren wir dann unsere Zauberkräfte und können keine Regenbogen mehr gestalten. Egal ob geflochten oder sonstwie!" antwortete der Rest der Runde fast unisono. So saßen sie weiter zusammen, debattierten und stritten ohne Ende und fanden doch zu keinem Ergebnis.

Keinbart begann sie zu waschen und füttern, nur die Zahnpflege litt und deswegen wurden die Zwerge zusehends schweigsamer und wortkarger. Mundgeruch ansich ist ja schon etwas äußerst unangenehmes, aber aus nächster Nähe, praktisch Nase an Mundhöhle schier unerträglich.

Auch das Essen gestaltete sich schwierig, die einfachste Lösung waren Eintöpfe über den Zwergenköpfen entleert und jeder mampfte so schnell und so viel er konnte. Gelbbart war eindeutig im Vorteil. Er schluckte und schlang am meisten vom Essen hinunter und, erst langsam, dann immer schneller, wuchs er.

Die ganze Zeit konnten die Zwerge nicht arbeiten und so gab es auch keine Regenbögen. Die Welt war traurig und Gelbbart wurde größer und größer. Irgendwann baumelten die restlichen Zwerge Blaubart, Rotbart, Grünbart und Lilabart hilflos an seiner Brust. Nur Keinbart versorgte sie weiter mit Essen und konnte sich frei bewegen. Gelbbart war inzwischen ein Zwergenriese und wurde immer zorniger ob der eigenen Unbeweglichkeit und dem Gebaumel an seiner Brust.

Eines Tages übermannte ihn der Zorn und mit lautem Gebrüll und einem Mundgeruch, der die anderen Zwerge in Ohnmacht fallen ließ riss er sich jeden einzelnen seiner Freunde und Kameraden vom Leib. Der Schmerz des Trennens der verfilzten Bärte machte ihn noch hasserfüllter und wütender und schließlich taumelte er wild um sich schlagend in eine Schlucht neben ihrem Arbeitsplatz.

 Die befreiten Zwerge waren glücklich, endlich nicht mehr so inniglich vereint zu sein, denn Nähe und Kameradschaft sind etwas schönes, aber eine gewisse Unabhängigkeit gehört eben immer auch dazu.

Ihre Zauberkräfte behielten die Zwerge, denn es stand geschrieben, dass geschnittene Bärte die Möglichkeit des Regenbogenzauberns nahm, aber nirgends war was über gerupfte Bärte zu finden. Gelbbart setzten sie in seiner Schlucht auf strenge Diät und so schrumpfte er wieder. Aus Rachsucht verlängerten sie die Diät so lange, bis Gelbbart etwas kleiner als der Rest seiner Freunde war, sollte seine Fresssucht doch bestraft werden und sein ungebührliches Verhalten, als er mächtiger war als sie, genauso.

 Schließlich warfen sie ihm ein Seil in die Schlucht und begannen die Regenbögen zu malen und aufzurichten, wie all die Jahrhunderte zuvor. Von Experimenten hatten sie wohl bis Heute die Nase voll, denn nirgends wurde je von einem geflochtenem oder kariertem Regenbogen berichtet.

27.5.14 11:44

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